"Im Sommer" von Karl Ove Knausgård, auf dem Spielplatz gelesen

Mit Knausi auf dem Spielplatz: „Im Sommer“ von Karl Ove Knausgård

Ich bin bekennende Knausgård-Leserin und habe nach seinem autobiografischen Werk „Min kamp“ auch seine Jahreszeiten-Bände gerne gelesen. „Im Sommer“ ist als ideales Spielplatzbuch vielleicht etwas zu schwer und dick. Dafür ist es ein Sommerbuch und enthält sogar einen Text über Spielplätze, doch dazu später.

Die Jahreszeiten-Bände

An den Jahreszeiten-Büchern schätze ich die knappen Essays zu alltäglichen Themen und Objekten wie „Kurze Hosen“, „Kastanienbäume“ oder „Mixer“. Sie beginnen immer mit einer Beschreibung oder besser Umrundung des Themas  und führen manchmal zu existentiellen Fragen, wie: Warum sind wir Menschen? Wie leben? Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Das Alltägliche ist ja gerade im Familienleben mit kleinen Kindern manchmal sehr groß und wichtig – Wie schaffen wir es, die ganze Wäsche zu waschen? Wo finde ich kurze Hosen in Größe 92 und welcher Mixer macht die besten Smoothies? Bei Knausgård ist das Alltägliche ein Eingang in etwas Größeres und Wesentlicheres. Er öffnet den Blick für das, was hinter den Wäschebergen liegt.

Familienleben

Außerdem ist Knausgård natürlich der große Chronist des Chaos, der Emotionen und Intensität, die ein Leben mit Kindern (in seinem Fall sind es vier)  auch mit sich bringt. Wenn mich kinderlose Freunde fragen, wie das Leben mit Kindern so ist, dann empfehle ich den Band „Lieben“ aus dem autobiographischen Projekt. Und denke selbst gerne daran, wenn ich die gesamtfamiliäre Stimmungslage mal wieder sehr bedenklich finde. Wir sind nicht allein.

Spielplätze

Und der Spielplatztext? Knausgård betrachtet Spielplätze recht einseitig, wie ich finde, als Ausgrenzung von Kindern aus dem öffentlichen Raum. Man teilt ihnen sozusagen Reservate zu, die „von oben“ organisiert sind. Ich fände es auch schöner, wenn es weniger Verkehr in den Städten geben würde und man außerhalb von Spielplätzen das Gefühl von Sicherheit für das Kinderspiel hätte. Aber ich finde auch: wie gut, dass es in vielen Städten so aufregende, interessant und abwechslungsreich gestaltete Spielplätze gibt. Hier lernen Kinder, mit kalkulierbaren Gefahren umzugehen und treffen auf andere Kinder. Und längst werden sie an ihrer Gestaltung beteiligt.

Was mir an dem Text gefällt, sind seine Gedanken über Spielplätze in Neubausiedlungen auf dem Land, die dort auch in Deutschland oft etwas einfallslos (und häufig auch kinderlos) herumstehen. Er beschreibt seinen Kindheitsspielplatz und die Faszination, die ein in der Nähe gelegenes Autowrack im Gegensatz zum Spielplatz selbst bei den Kindern ausgelöst habe. Ich glaube, die Kreativität des freien Spiels lässt sich zwar nicht direkt herstellen, indem man eine  Rutsche und eine Schaukel hinter einen Zaun baut – aber sie lässt sich davon auch nicht aufhalten.

Karl Ove Knausgård: Im Sommer. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand 2018. 490 S.

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